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Igor Strawinsky
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Igor Strawinskycite-ref-1[1] (auch Igor Stravinsky; * 5. Junijul. / 17. Juni 1882greg. in Oranienbaum, Russland; â 6. April 1971 in New York City) war ein franzĂśsisch-US-amerikanischer Komponist und Dirigent russischer Herkunft. Er war einer der bedeutendsten Vertreter der Neuen Musik.
Sein vollständiger Name lautet in moderner Transkription Igor Fjodorowitsch Strawinski (russisch ĐгОŃŃ Đ¤ŃĐ´ĐžŃĐžĐ˛Đ¸Ń ĐĄŃŃавинŃкиК, vor der Rechtschreibreform ĐгОŃŃ Ń˛ĐľĐ´ĐžŃОвиŃŃ ĐĄŃŃавинŃĐşŃĐš, wiss. Transliteration Igor' FĂŤdoroviÄ Stravinskij). Im Englischen wird der Nachname Stravinsky geschrieben, im FranzĂśsischen existieren mehrere Schreibweisen nebeneinander â Stravinsky, Strawinsky und Stravinski.
Contents
⢠Leben
⢠Wirken
⢠Sonstiges
⢠Charakter
⢠Inspiration
⢠Werke (Auswahl)
⢠Ballette
⢠Vokalwerke
⢠Orchesterwerke
⢠Kammermusik
⢠Klavierwerke
⢠Literatur
⢠Einzelnachweise
⢠Weblinks
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Leben
Strawinsky wurde 1882 in Oranienbaum in der Nähe von Sankt Petersburg geboren und am 10. August 1882 in der Nikolaus-Marine-Kathedrale in Sankt Petersburg getauft.cite-ref-2[2] Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in einer verhältnismäĂig restriktiven Umgebung, musikalisch unter dem Einfluss seines Vaters Fjodor Strawinski, der zu den bedeutendsten Opernsängern des Russischen Kaiserreiches zählte. So studierte er wie dieser ebenfalls zuerst Rechtswissenschaft in St. Petersburg mit Abschluss 1905,cite-ref-3[3] war dann aber SchĂźler bei Rimski-Korsakow.
Im Jahr 1906 heiratete er die Russin Jekaterina Nossenko, mit der er zwei SĂśhne und zwei TĂśchter bekam (1907, 1908, 1910, 1914). Sie war Studentin an der AcadĂŠmie Colarossi in Paris, an der sie ihre âgroĂe Zeichenbegabungâ ausbilden lieĂ. 1923, zur AuffĂźhrung von Strawinskys Les Noces (âBauernhochzeitâ), illustrierte sie den Text zur Komposition mit âhĂźbschen Aquarellen mit den kräftigen Farbenâ.cite-ref-4[4]
Seine russische Umgebung mit dem nach innen gerichteten Kulturleben, das eingeschränkt und provinziell auf ihn wirkte, erhĂśhte Strawinskys Verlangen nach der AuĂenwelt. 1910 reiste er erstmals nach Paris, dort wurden die Ballette Der Feuervogel (1910) und die Nachfolgewerke Petruschka (1911) und Le sacre du printemps (1913)cite-ref-5[5] aufgefĂźhrt. Nicht zuletzt wegen der bolschewistischen Revolution lebte Strawinsky seit 1920 in Frankreich; 1934 wurde er franzĂśsischer StaatsbĂźrger.cite-ref-6[6]
Er unternahm drei Amerikareisen: 1925, 1935 und 1937.cite-ref-7[7] 1939 starb seine Frau.
Kriegsbedingt verlieà er Frankreich 1940 und ßbersiedelte endgßltig in die USA. Am 9. März 1940 heiratete er dort in Bedford, Massachusetts, seine langjährige Geliebte, die Malerin Vera Soudeikina de Bosset.cite-ref-8[8]
1941 Ăźbersiedelte er mit seiner Frau nach Los Angeles in den Stadtteil West Hollywood, 1260 North Wetherly Drive, wo beide etwa 20 Jahre wohnten. Danach zogen sie fĂźr weitere neun Jahre nach 1218 North Wetherly Drive.cite-ref-9[9]
Fßr den Rest seines Lebens unterstßtzte ihn seine zweite Gattin zunehmend in der zunächst fremden Umgebung; zahlreiche Geschichten berichten ßber ihre unermßdlichen Bemßhungen um sein Wohlergehen und die Ruhe, die er zum Komponieren benÜtigte. Strawinsky hatte sich an das Leben in Frankreich gewÜhnt; mit 58 Jahren in die USA auszuwandern war fßr ihn schwierig, auch wenn er bereits 1945 die Staatsbßrgerschaft der Vereinigten Staaten erworben hatte. Eine Zeit lang unterhielt er einen Freundeskreis ausgewanderter Russen, erkannte aber, dass dies sein kßnstlerisches und berufliches Wirken in den USA nicht wßrde unterstßtzen kÜnnen.
Als er mit W. H. Auden eine Oper plante, traf Strawinsky â mit der englischsprechenden Welt noch unvertraut â mit dem Komponisten und Musiker Robert Craft zusammen, der Weggefährte Strawinskys bis zu dessen Tod blieb und als sein Ăbersetzer, Chronist, assistierender Dirigent und Faktotum fĂźr unzählbare musikalische und gesellschaftliche Aufgaben fungierte.
Mit Ernest Ansermet verband Strawinsky eine intensive Arbeitsbeziehung: Der schweizerische Dirigent leitete zwischen 1918 und 1930 sieben UrauffĂźhrungen fĂźr Strawinsky. Strawinskys Hinwendung zur ZwĂślftonmusik ab 1952 allerdings betrachtete er in seinem Werk Die Grundlagen der Musik im menschlichen Bewusstsein kritisch.cite-ref-10[10]
Im Jahr 1967 verlieh die Rutgers University in New Jersey Strawinsky die EhrendoktorwĂźrde.
Im Oktober 1969, nach fast drei Jahrzehnten in Kalifornien, zogen Strawinsky und seine Frau Vera nach New York, in eine luxuriĂśse Wohnung mit drei Schlafzimmern im Essex House im Stadtteil Manhattan. Robert Craft zog bei ihnen ein und stellte seine Karriere hintenan, um sich um den kranken Komponisten zu kĂźmmern.
Igor Strawinsky starb am 6. April 1971 in New York; Totenmesse und Beisetzung erfolgten auf Wunsch des Komponisten auf dem Friedhof San Michele in Venedig, wo 11 Jahre später neben ihm seine zweite Frau beigesetzt wurde.
Wirken
Er schrieb zunächst Werke in spätromantisch-impressionistischer Tradition (Der Feuervogel), danach wandte er sich einer vĂśllig neuen Tonsprache zu (dominante Rhythmik, Melodienarmut, revolutionär neue Akkorde: Le sacre du printemps, Histoire du soldat), anschlieĂend schrieb er im neoklassizistischen Stil (vgl. BĂŠla BartĂłk).cite-ref-11[11] Wichtige Stilmittel seiner Musik waren bis zum Zweiten Weltkrieg die Polytonalität und eine ausgeprägte Rhythmik, mitunter auch Zitate der Unterhaltungsmusik. Strawinsky komponierte in den 1950er Jahren auch serielle Musik. In seiner Musik sind viele verschiedene EinflĂźsse zu finden, die er zu einem unverwechselbaren Stil verschmolz.
Seine bekanntesten Werke entstammen seiner frĂźhen russischen Periode: Der Feuervogel, Petruschka und Le Sacre du printemps. Diese Ballette fĂźhrten praktisch zu einer Renaissance des Genres. Strawinsky schrieb fĂźr ein breites Spektrum von Ensemble-Kombinationen und klassischen Formen. Sein Werk reicht von Symphonien und Opern bis hin zu Klavier-Miniaturen.
Bei den Weltmusiktagen der International Society for Contemporary Music (ISCM World Music Days) gehÜrt Strawinsky zu den am meisten aufgefßhrten Komponisten. An den ISCM-Festivals wurden folgende Werke von ihm aufgefßhrt: 1923 in Salzburg 3 Stßcke fßr Streichquartett/Concertino fßr Streichquartett, 1924 in Prag Chant du Rossignol, 1924 in Salzburg das Bläseroktett, 1925 in Prag und 1930 in Lßttich/Brßssel die Symphonien fßr Bläser, 1925 in Venedig die Klaviersonate, 1933 in Amsterdam die Symphonie des Psaumes, 1946 in London die Sonate fßr 2 Klaviere, 1957 in Zßrich Feuerwerk op. 4, 1959 in Rom/Neapel Agon, 1962 in London A Sermon, a Narrative and a Prayer und 1965 in Madrid Abraham and Isaac.cite-ref-12[12]cite-ref-13[13]
Weiterhin erlangte Strawinsky BerĂźhmtheit als Pianist und Dirigent, oft mit UrauffĂźhrungen seiner eigenen Werke. AuĂerdem war er als Autor tätig. Mit Walter Nouvels Hilfe erstellte Strawinsky seine Autobiographie Mein Leben, aus der auch das berĂźhmte Zitat kommt, dass âMusik ihrer Natur nach im Wesentlichen unfähig ist, irgendetwas auszudrĂźckenâ.cite-ref-14[14] Zusammen mit Alexis Roland-Manuel und Pierre Souvtchinsky verfasste er die Charles-Eliot-Norton-Vorlesungen der Harvard University aus den Jahren 1939â40, die auf FranzĂśsisch gehalten und erstmals 1942 unter dem Titel PoĂŠtique musicale verĂśffentlicht wurden; 1947 wurden sie unter dem Titel Poetics of Music ins Englische Ăźbersetzt. 1959 wurden mehrere Gespräche zwischen dem Komponisten und seinem ProtegĂŠ Robert Craft unter dem Titel Conversations with Igor Stravinsky verĂśffentlicht. In den folgenden zehn Jahren erschienen fĂźnf weitere Bände in ähnlichem Format.cite-ref-15[15]
In seinen Erinnerungencite-ref-16[16] schildert Strawinsky sehr detailliert seine musikalische Entwicklung bis zur Psalmensinfonie und dem Tanzmelodram Persephone. Am Anfang stand der Klavierunterricht. Er lernte schnell Noten zu lesen und am Klavier zu improvisieren, und er studierte die Partituren russischer Opern aus der Bibliothek seines Vaters. Nach der ReifeprĂźfung studierte er gemäà dem Wunsch seiner Eltern widerwillig Jura, wobei er schlieĂlich nebenbei Harmonie-Unterricht nehmen durfte. Unabhängig davon studierte er seit seinem neunzehnten Lebensjahr selbständig mit groĂer Befriedigung die Lehre vom Kontrapunkt anhand eines gängigen Lehrbuches. Die weitere Entwicklung spiegeln seine Werke wider, deren Entstehungsprozesse er sehr detailliert in seinen Erinnerungen beschreibt. Von groĂer Bedeutung war fĂźr ihn der Kontakt und der Austausch mit den Menschen, die seine Entwicklung begleiteten und die er genau charakterisierte â vor allem Rimski-Korsakow und Diaghilew. Seinen musikalischen Schaffensprozess fasste Strawinsky handwerklich auf. Er zielte auf ein rationales Verstehen seiner Musik bei den ZuhĂśrern und wollte keine GefĂźhle erzeugen. Dementsprechend forderte er von den Dirigenten und AusfĂźhrenden eine genaue, werkgetreue Wiedergabe seiner Kompositionen ohne eigene Interpretationen. Verständnislos reagierte er auf Kritiker seiner späteren Werke, die den Stil der frĂźheren Werke â insbesondere des Sacre du printemps â absolut setzten und nicht bereit waren, seine weiteren Entwicklungen zu akzeptieren.
Als kosmopolitisch wirkender Russe war Strawinsky sowohl im Westen als auch in seiner Heimat einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Adorno hat in seiner Philosophie der neuen Musik (erschienen 1949) den Komponisten als den herausragenden Vertreter einer zur Position SchĂśnbergs genau entgegengesetzten Einstellung dargestellt, wodurch er ihm hohen Respekt in Bezug auf seine kompositorischen Fähigkeiten zollte. In Hinsicht auf die Aussage von Musik sind die Positionen Adornos und des Komponisten ähnlich. Andererseits kritisierte Adorno den Stil des Neoklassizismus allgemein als âAbsud bereits gewesener Musikâ. Potentiell positiv sei daran nur ein Erkenntnisgewinn dadurch, dass das Zerfallsmoment der klassischen Musik deutlicher hervortrete.
Einem breiten Publikum ist Strawinsky auch durch den Film Fantasia (1940) bekannt geworden, in dem Walt Disney und seine KĂźnstler die Musik aus Le sacre du Printemps in der SchĂśpfungs- und Dinosaurier-Sequenz in Bilder umsetzten.
Ehrungen und Nachlass
⢠1923 zusammen mit Maurice Ravel, Jean Sibelius und Ferruccio Busoni Ernennung zum ersten Ehrenmitglied der International Society for Contemporary Music ISCM (Internationale Gesellschaft fßr Neue Musik)cite-ref-19[19]
⢠1940 wurde Strawinsky in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.cite-ref-20[20]
⢠1947 Wahl zum assoziierten Mitglied der AcadÊmie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique.cite-ref-21[21]
⢠1949 wurde er in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen.cite-ref-22[22]
⢠Ihm wurde 1953 der internationale Antonio-Feltrinelli-Preis verliehen.
⢠Ihm wurde ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame im 6340 Hollywood Boulevard gewidmet.
⢠In Paris ist vor dem Centre Georges Pompidou ein Platz nach ihm benannt, auf dem der Strawinski-Brunnen seit 1983 steht, mit dem Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle in skulpturaler Form auf seine 16 wichtigsten Werke anspielen.
⢠Seit 1974 ist er Namensgeber fßr das Stravinsky Inlet, einer Bucht der Alexander-I.-Insel in der Antarktis
⢠1993 wurde in Russland eine Platinmßnze der Serie Russlands Beitrag zur Weltkultur mit dem Porträt Strawinskys und der Darstellung einer Szene aus dem Ballett Petruschka herausgegeben.
Ein Gutteil des Nachlasses von Strawinsky befindet sich heute in der Paul-Sacher-Stiftung.
Familie Strawinski
Die Familie StrawiĹski mit Wappen Sulima gehĂśrte dem polnischen Landadel an und hat ihren Ursprung wohl bei Troki in Litauen, wo ab der Mitte des 17. Jahrhunderts AngehĂśrige urkundlich genannt werden. Die gesicherte Familie des Komponisten Strawinsky beginnt mit dessen GroĂvater Ignacy Strawinski. Dieser war noch katholisch, hatte aber keinen eigenen Grundbesitz mehr. Er verdingte sich als Verwalter des Gutes Nowy Dwor bei Homel und starb im Haus seiner Tochter in Tiflis. Die GroĂmutter wie auch alle Kinder und Enkel waren orthodox.
Ignacy Strawinski (* 1809; â 1903), Gutsverwalter â Alexandra Ivanovna Skorokhodova (* 1817; â 1898)
Alexander Strawinski (* 1835; â 1916), russischer Offizier Konstantin Strawinski (* 1839) Olga Strawinska (* 1839) â NN Dimschewsky Fedor Strawinski (* 20. Juni 1843; â 4. Dezember 1902), studierte Rechtswissenschaften in Kiew und St. Petersburg, 1873â1876 Opernsänger in Kiew, seit 1876 am Mariinskij Theater St. Petersburg, war ein Freund von Fjodor Michailowitsch Dostojewski â 1874 Anna Kyrillowna Cholodowska (* 1854/55) Pianistin an der Oper in Kiew, Tochter des Kyrill Grigorjewitsch Cholodowski (* 1806; â 1855) und der Anna Romanowna Cholodowska Roman Strawinski (* 13. Oktober 1875; â 1897) Juri Strawinski (* 10. Dezember 1878; â 1941), Opernsänger am Mariinskij Theater in St. Petersburg Igor Strawinski (* 17. Juni 1882; â 6. April 1971), Komponist âI 1906 Jekaterina Gawrilowna Nossenko (* 1881; â 1939), Tänzerin, Tochter des Gawril Nossenko, Gutsherr auf einigen tausend Hektar Land nahe Ustilug in Wolhynien, und der Maria Cholodowska (* 1848; â Oktober 1882)cite-ref-24[24] ThĂŠodore Strawinski (* 24. März 1907; â 16. Mai 1989), Kunstmaler Ludmilla Igorewna Strawinska Mandelstam (* 24. Dezember 1908; â 30. November 1938) Swjatoslaw Sulima Igorewitsch Strawinski (* 23. September 1910; â 28. November 1994), Komponist Milena (Milène) Strawinska (* 15. Januar 1914; â 22. Juli 2013) âII 1940 Vera de Bosset (* 7. Januar 1889; â 17. September 1982), Tochter des deutsch-baltischen Gutsbesitzers Arthur Harald Bosse und der Henriette Malmgreen, Tänzerin (âI. Sergei Sudeikin, Maler und BĂźhnenbildner) Jurij Strawinski, studierte ebenfalls zuerst Rechtswissenschaften
Igor Strawinsky selbst war ein Familienmensch, der einen beachtlichen Teil seiner Zeit, Anstrengungen und Ausgaben auf seine SÜhne und TÜchter verwendete. In den zwanziger Jahren lernte er seine spätere zweite Ehefrau Vera kennen; sie verlieà ihren Ehemann. Von diesem Zeitpunkt an fßhrte Strawinsky bis zum Tod seiner Frau Jekaterina ein Doppelleben, in dem er seine Zeit zwischen seiner ersten Familie und Vera aufteilte. Jekaterina erfuhr bald von der Beziehung und akzeptierte sie als unausweichlich und dauerhaft. Trotzdem entstand nach seinem Tode ein Streit um seinen Besitz und seine Auffßhrungsrechte.
Sonstiges
Charakter
Auffällig ist Strawinskys Fähigkeit, sich Aufträge zu verschaffen; viele seiner Werke seit dem Feuervogel wurden fßr spezielle Anlässe komponiert und bezahlt. Strawinsky entging dadurch dem Problem vieler Komponisten, eine gewÜhnliche Arbeitsstelle annehmen zu mßssen.
Strawinsky zeigte sich oft als erfahrener âMann von Weltâ. Er erwarb im Gegensatz zu anderen Komponisten seiner Zeit ein feines GespĂźr fĂźr Geschäftsangelegenheiten. Allerdings sind auch seine Urheberrechts-Probleme legendär.
Otto Klemperer beschrieb Strawinsky als kooperativ und unkompliziert. Gleichzeitig legte Strawinsky eine aristokratische Geringschätzung gegenßber gesellschaftlich Geringergestellten an den Tag: Robert Craft war peinlich berßhrt von Strawinskys Angewohnheit, in Restaurants mit einer Gabel an ein Glas schlagend laut Aufmerksamkeit zu verlangen.
Inspiration
Strawinsky verfĂźgte Ăźber einen breit gefächerten Literaturgeschmack, der sein fortwährendes Verlangen nach neuen Entdeckungen widerspiegelt. Die Texte und Literaturquellen seiner Arbeit begannen mit einem Interesse an russischer Folklore, erstreckten sich Ăźber klassische Autoren und die lateinische Liturgie bis hin zu gegenwärtiger franzĂśsischer (AndrĂŠ Gide, Persephone) und englischer Literatur (Auden, T. S. Eliot), die englische Bibel in der âKing James Versionâ aus dem Jahre 1611 und mittelalterliche englische Dichtung. Gegen Ende seines Lebens setzte er hebräische Schrift in Abraham und Isaak ein.
Film âCoco Chanel & Igor Stravinskyâ
Aspekte aus Strawinskys Leben thematisiert der Film Coco Chanel & Igor Stravinsky, der 2009 bei den Filmfestspielen in Cannes vorgestellt wurde und am 15. April 2010 in die Kinos kam. Er handelt von der leidenschaftlichen Liebesbeziehung zwischen Strawinsky und Coco Chanel, die unter der Regie von Jan Kounen von der FranzÜsin Anna Mouglalis und dem Dänen Mads Mikkelsen dargestellt werden.cite-ref-25[25]
Werke (Auswahl)
Opern und BĂźhnenwerke
⢠Le rossignol (Die Nachtigall) (1914) (nach Hans-Christian Andersen: Des Kaisers Nachtigall)
⢠Le Renard (Reineke Fuchs) (1915)
⢠Histoire du soldat (Die Geschichte vom Soldaten) (1918)
⢠Mavra (1922)
⢠Oedipus Rex (1927/1948)
⢠PersÊphone, Tanzmelodram in 3 Teilen (1934)
⢠The Rakeâs Progress (1951)
⢠Die Sintflut (1963)
Ballette
⢠LâOiseau de feu (Der Feuervogel) (1910)
⢠Petruschka (1911/revidiert 1946)
⢠Le sacre du printemps (Die Frßhlingsweihe) (1913/revidiert 1922/1943)
⢠Pulcinella (1920)
⢠Les Noces (Die Bauernhochzeit), Ballettkantate (1923)
⢠Apollon musagète (1928/revidiert 1947)
⢠Le baiser de la fÊe (Der Kuss der Fee) (1928/revidiert 1950)
⢠Jeu de cartes (Das Kartenspiel) (1936)
⢠Scènes de ballet (1944)
⢠Orpheus (1947)
⢠Agon (1953/1964)
Vokalwerke
⢠Swesdoliki (Der Sterngesichtige) oder Le Roi des Êtoiles fßr Männerchor und Orchester (1911/12)
⢠Pater noster, Motette fßr gemischten Chor (1926)
⢠Psalmensinfonie fßr Chor und Orchester (1930/1949)
⢠Ave Maria fßr gemischten Chor (1934)
⢠Babel fßr Sprecher, zweistimmigen Männerchor und Orchester (1944, Schlusssatz der Genesis Suite)
⢠Mass fßr Chor und Orchester (UA 1948)
⢠Requiem Canticles fßr Altstimme und Bass-Soli, Chor und Orchester (UA 1966)
Orchesterwerke
⢠Sinfonie Es-Dur op. 1 (1905â1907)
⢠Faune et bergère, Suite fßr Gesang und Orchester, op. 2
⢠Le chant du rossignol, Sinfonische Dichtung (1917)
⢠Ragtime fßr elf Instrumente (1918)
⢠Symphonies dâinstruments Ă vent fĂźr 23 Blasinstrumente (1920/1945â1947)
⢠Oktett (1922â1923)
⢠Concerto â fĂźr Klavier und Blasorchester (1923â1924)
⢠Konzert fßr Violine und Orchester in D (Concerto en rÊ pour violon et orchestre, 1931)
⢠Konzert in Es fĂźr Kammerorchester âDumbarton Oaksâ (1937/38)
⢠Sinfonie in C (1939/40)
⢠Danses Concertantes fßr Kammerorchester (1942)
⢠Vier norwegische Impressionen (1942)
⢠Zirkuspolka (1942/44)
⢠Sinfonie in 3 Sätzen (1942â1945)
⢠Scherzo à la Russe (1944)
⢠Ebony Concerto (1946)
⢠Concerto in D fßr Streichorchester (1947)
⢠Fanfare for a New Theatre (1964)
Kammermusik
⢠Drei Stßcke fßr Streichquartett (1914)
⢠Concertino fßr Streichquartett (1920)
⢠Oktett fßr FlÜte, Klarinette, 2 Fagotte, 2 Trompeten, Posaune und Bassposaune (1922/23)
⢠Septett fßr Klarinette, Fagott, Horn, Klavier, Violine, Viola und Violoncello (1952/52)
⢠Doppelkanon fßr Streichquartett (1959)
Klavierwerke
⢠4 Etßden op. 7 (1908)
⢠Piano-Rag-Musik (1919)
⢠Trois mouvements de PÊtrouchka (2- und 4-händige Version) (1921)
⢠Sonate pour piano (1924)
⢠Serenade en la (in A) (1925)
⢠Concerto for Two Pianos (1935)
⢠Tango (1940)
Literatur
⢠Robert Craft: Strawinsky â Einblicke in sein Leben. Atlantis Musikbuch-Verlag, 2000, ISBN 3-254-00230-X.
⢠Robert Craft: Stravinsky: Selected Correspondence. 3 Bände, Faber & Faber 1982, 1984, 1985, London.
⢠Chris Greenhalgh, Nathalie Lemmens (Ăbersetzer): Coco Chanel & Igor Strawinsky : Roman (Originaltitel: Coco & Igor). Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, MĂźnchen 2010, ISBN 978-3-570-58019-6.
⢠Igor Strawinsky, Robert Craft: Memories and Commentaries. University of California Press, 1981. Online-Teilansicht
⢠Christian Goubault: Igor Stravinsky. Editions Champion, Musichamp lâessentiel 5, Paris 1991 (mit Werkverzeichnis und Kalendarium).
⢠Theo Hirsbrunner: Igor Strawinsky in Paris. Laaber-Verlag, Laaber 1982, ISBN 3-921518-62-8.
⢠Boris Jarustowski: (Original Russisch, 1964), deutsch: Jarustowski: Igor Strawinsky. Henschelverlag, Berlin 1966.
⢠Heinrich Lindlar (Hrsg.): Igor Strawinsky. Aufsätze, Kritiken, Erinnerungen. (= Suhrkamp Taschenbuch. 817) Suhrkamp, Frankfurt (Main) 1982, ISBN 3-518-37317-X.
⢠Helmut Kirchmeyer: Annotated Catalog of Works and Work Editions of Igor Strawinsky till 1971 â Verzeichnis der Werke und Werkausgaben Igor Strawinskys bis 1971. VerĂśffentlichungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig 2002; erweiterte Ausgabe seit 2015 im Internet verfĂźgbar, englisch-deutsch.
⢠Helmut Kirchmeyer: Igor Strawinsky. Zeitgeschichte im PersÜnlichkeitsbild. Bosse-Verlag, Regensburg 1958.
⢠Heinz-Klaus Metzger, Rainer Riehn (Hrsg.): Igor Strawinsky (Musik-Konzepte Heft 34/35). Edition Text + Kritik, Mßnchen 1984, ISBN 3-88377-137-6.
⢠Ulrich Mosch: Igor Strawinsky. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 3. Dezember 2013.
⢠AndrÊ Schaeffner: Strawinsky. Edition Rieder, Paris 1931.
⢠Claude Tappolet: Correspondence Ansermet-Strawinsky: (1914â1967). Edition complète, 3 Bände, Georg Edition, Genf 1990.
⢠Richard Tarushkin: Stravinsky and the Russian Traditions. Oxford University Press, 2 Bände, Universität Kalifornien 1996.
⢠Roman Vlad: Strawinsky. Piccola Biblioteca Einaudi, Turin 1958, 1973, 1983.
⢠Roman Vlad: Stravinsky. Oxford University Press, London 1960, 1967.
⢠Eric Walter White: Stravinsky: The Composer and His Works. Faber & Faber, London 1966, 1986.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Duden gibt zu Strawinsky an: âeigene Schreibung des Komponisten, nach Transkriptionssystem eigentlich Strawinski â.
cite-note-22. â Stephen Walsh: Stravinsky A Creative Spring: Russia and France, 1882-1934. In: nytimes.com. 1999, archiviert vom Original; abgerufen am 19. Juni 2022 (englisch).
cite-note-33. â Heinrich Lindlar (Hrsg.): Igor Strawinsky. 1982, Zeittabelle S. 11.
cite-note-44. â Nach Strawinskys Sohn ThĂŠodore in: Heinrich Lindlar (Hrsg.): Igor Strawinsky. 1982, S. 50.
cite-note-55. â Heinrich Lindlar (Hrsg.): Igor Strawinsky. 1982, S. 12.
cite-note-66. â Heinrich Lindlar (Hrsg.): Igor Strawinsky. 1982, S. 63 f.
cite-note-77. â Zeittabelle Heinrich Lindlar (Hrsg.): Igor Strawinsky. 1982, S. 63 f.
cite-note-88. â Eric Walter Whithe: Stravinsky, Igor. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians. Verlag Macmillan, London 1985, Folge 18, S. 254.
cite-note-99. â IGOR STRAVINSKY HOME, LOS ANGELES
cite-note-1010. â Ernest Ansermet, Horst Leutmann, Erik Maschat: Die Grundlagen der Musik im menschlichen Bewusstsein. Piper, MĂźnchen 1965, zweiter Teil; Heinrich Lindlar (Hrsg.): Igor Strawinsky. 1982, S. 213.
cite-note-1111. â Rudolf Stephan: Zur Deutung von Strawinskys Neoklassizismus. In Heinz-Klaus Metzger, Rainer Riehn (Hrsg.): Igor Strawinsky (Musik-Konzepte Heft 34/35). Edition Text + Kritik, MĂźnchen 1984, ISBN 3-88377-137-6, S. 80â88.
cite-note-1212. â Programme der ISCM World Music Days von 1922 bis heute
cite-note-1313. â Anton Haefeli: Die Internationale Gesellschaft fĂźr Neue Musik â Ihre Geschichte von 1922 bis zur Gegenwart. ZĂźrich 1982, S. 480ff
cite-note-1414. â Universal Digital Library: Igor Stravinsky An Autobiography. W W Norton & Company, Inc, 1962, ISBN 978-0-393-00161-7, S. 53 (archive.org [abgerufen am 2. Dezember 2024]).
cite-note-1515. â Igor Stravinsky, Robert Craft: Conversations with Igor Stravinsky. Garden City, N.Y., Doubleday, 1959, ISBN 978-0-571-11464-1 (archive.org [abgerufen am 2. Dezember 2024]).
cite-note-1717. â Neil W. Levin: Robert Strassburg. In: Milken Archive
cite-note-1818. â Composer's Geneologies: A Compendium of Composers, Their teachers and Their Students. Pfitzinger, Scott. Roman & Littlefield. London UK & New York USA 2017. S. 522 ISBN 978-1-4422-7224-8, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
cite-note-1919. â ISCM Honorary Members
cite-note-2020. â Members of the American Academy. Listed by election year, 1900â1949 (PDF). Abgerufen am 24. September 2015
cite-note-2121. â AcadĂŠmicien dĂŠcĂŠdĂŠ: Igor Stravinsky. AcadĂŠmie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique, abgerufen am 2. März 2024 (franzĂśsisch).
cite-note-2222. â Members: Igor Stravinsky. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 28. April 2019.
cite-note-2323. â Minor Planet Circ. 16446
cite-note-2525. â Pariser Dekadenz: Coco und Igor (Memento vom 18. April 2010 im Internet Archive) auf rp-online.de vom 15. April 2010
Weblinks
Commons
: Igor Strawinsky
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Literatur von und ßber Igor Strawinsky im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Werke von und ßber Igor Strawinsky in der Deutschen Digitalen Bibliothek
⢠Ulrich Mosch: Strawinsky, Igor. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
⢠Werkverzeichnis im russischen Musikarchiv
⢠Strawinsky und das Pianola auf pianola.org (englisch)
⢠A Conversation with Igor Stravinsky, 1957 auf YouTube
⢠Stravinsky on The Rite of Spring auf YouTube